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Die Gesichtsmacher – massgeschneiderte Rekonstruktion

Aktualisiert: 29. Juni

Was, wenn nach einem Unfall oder einer Tumorerkrankung das Gesicht entstellt ist? Dann arbeiten Prof. Dr. med. Dr. dent. Philipp Metzler und PD Dr. med. Holger Klein am KSA Hand in Hand. Das interdisziplinäre Team aus Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie und plastischer Chirurgie führt Betroffene ins normale Leben zurück.


Zwei Ärzte im weißen Kittel sprechen mit einer Frau im Klinikflur; einer hält ein Kiefermodell.
Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Philipp Metzler (Mitte), Stephanie Zihlmann und PD Dr. med. Holger Klein bei einem Nachkontrolltermin in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie im KSA Aarau.

«Ich bin sportlich, jung, lebe gesund und dann so was», erzählt Stephanie Zihlmann. Was ist geschehen? Im Frühling 2023 hat ihr Zahnarzt festgestellt, dass bei ihr ein Zahn droht, den Kiefer zu durchbrechen. Er hat sie für weitere Untersuchungen ans KSA nach Aarau verwiesen. Nach der Biopsie und dem CT hatte sie die Diagnose: ein Tumor. «Zuerst hielt ich mich am Positiven fest, da es ein gutartiger Tumor war», so die 34-Jährige. Doch der Schreck war gross, als das Ausmass der Behandlung klar wurde. Ein grosser Teil ihres Unterkiefers, inklusive

Zähne, musste entfernt und rekonstruiert, sogar der Nerv ersetzt werden.


Gesichtsrekonstruktionen – eine Spezialdisziplin am KSA

Prof. Dr. med. Dr. dent. Philipp Metzler, Leitender Arzt Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, und PD Dr. Holger Klein, Leitender Arzt Plastische Chirurgie und Handchirurgie, haben Stephanie Zihlmann behandelt. Die beiden arbeiten zusammen, wenn Gesichter durch Unfälle oder Tumorerkrankungen entstellt werden. «Mund, Kiefer und Gesicht sind wichtig für das Essen und Schmecken von Speisen, Sprechen, aber auch für die Mimik und das Aussehen», erzählt Philipp Metzler. Muss bei einer Person nach einer Tumorerkrankung Gewebe entfernt werden, so kann dies funktionell und ästhetisch zu grossen Defiziten führen. Zudem sind Betroffene in der Gesellschaft stigmatisiert. «Unser Ziel ist es, diesen Menschen so schnell wie möglich wieder ihre ursprüngliche Lebensqualität auf allen Ebenen zurückzugeben», so Metzler.


Um ein Gesicht zu rekonstruieren, müssen die Ärzte die unterschiedlichen Gewebearten wie Muskulatur, Knochen, Nerven, Haut und Fettgewebe berücksichtigen. «Ziel ist, die ursprüngliche Form, Funktion und Ästhetik

mit Gewebe von anderen Körperpartien wiederherzustellen», sagt Holger Klein.

«Mittlerweile ist alles so gut verheilt, dass man es nur sieht, wenn man es weiss. Ich bin sehr dankbar, in einem Spital mit solchen medizinischen Möglichkeiten behandelt zu werden.» STEPHANIE ZIHLMANN, PATIENTIN

Exakt geplante und digitale Vorarbeit

Die Operation ist nur ein Teil der Behandlung. Die Ärzte erstellen erst ein

Behandlungskonzept, dann folgt die individuelle Planung. Das ist zeitintensiv,

aber ein klarer Mehrwert für Betroffene. Die Operationen sind deutlich kürzer, das Entfernen des Tumors und die Rekonstruktion entspricht der exakten

Planung. Somit ist die post-operative Rehabilitation schneller, das funktionelle und ästhetische Ergebnis besser. Bei Stephanie Zihlmann ersetzt jetzt der Wadenknochen den Kieferknochen. Philipp Metzler hat mit der digitalen Planung

das Ausmass des zu entfernenden Kieferknochens sowie des Wadenknochens für die Rekonstruktion festgelegt. Durch 3-D-Modelle und Schnittschablonen lässt sich die Planung in den Operationssaal übertragen. Mitte Juni operierte das interdisziplinäre Team die Patientin, entfernte den Unterkiefer und rekonstruierte ihn mit dem Wadenbein. Den mitentfernten Nerv, der für die Sensibilität der Unterlippe zuständig ist, ersetzte das Team mit einem anderen Nerv vom Unterschenkel. Acht Stunden dauerte der Eingriff.


CT-Bild des Unterkiefers
Die Rekonstruktion des Unterkiefers erfolgte mithilfe von Knochenteilen des Wadenbeins, wodurch sowohl die Form als auch die Funktion wiederhergestellt werden konnten.

Nach einer Woche konnte Stephanie Zihlmann das Spital verlassen. Die Physiotherapiepraxis bei ihr im Ort, die sie wegen des operierten Unterschenkels aufgesucht hat, verfügt auch über ein Fitnesscenter. «Das Training hat mich schnell wieder auf die Beine gebracht», sagt sie. Heute kann sie wieder problemlos springen und im Volleyball blocken. «Es ist erstaunlich, dass das Schienbein das Gewicht allein halten kann und ich keine Einschränkungen habe», erzählt sie. Das hat der bewegungsbegeisterten Frau am meisten Sorge bereitet.


Eingriff kaum sichtbar

Während sie am Bein eine beachtliche Narbe hat, ist diese im Gesicht unter dem Kinn versteckt und kaum sichtbar. «Mittlerweile ist alles so gut verheilt, dass man es nur sieht, wenn man es weiss», freut sie sich. Der Kiefer muss noch ein paar Monate weiter verheilen. Danach erhält sie die Zahnimplantate. «Das Ganze hat mich demütiger gemacht», sagt Stephanie Zihlmann und ergänzt: «Ich bin sehr

dankbar, in einem Spital mit solchen medizinischen Möglichkeiten behandelt

zu werden.»



Teamfoto
Eingespieltes Team mit grosser Kompetenz: Philipp Metzler (links) und Holger Klein (rechts) mit Patientin Stephanie Zihlmann.

Ein eingespieltes Team

Dank kurzen Wegen und der gemeinsamen, interdisziplinären Expertise bieten die beiden Spezialisten Betroffenen Konzepte an, die den Ansprüchen an Form,

in höchstem Masse gerecht werden. Am KSA Aarau gibt es das komplette Paket sowie Plastischer Chirurgie unter einem Dach vereint. Das schätzen die Patientinnen und Patienten. Holger Klein und Philipp Metzler arbeiten seit mehreren Jahren zusammen und behandeln 30 bis 40 Betroffene pro Jahr. «Um diese Kompetenz zu erwerben, muss man sich über viele Jahre in Theorie und Praxis intensiv mit der Kopf-/Halsrekonstruktion auseinandersetzen», so Holger Klein.


Veröffentlicht im Landanzeiger Nr. 51 / 21. Dezember 2023 von Karina Peters

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